Ausländerfeindlichkeit in europäischen Städten: Ausländer sind nicht überall willkommen

22. November 2017 – VoxEurop Osservatorio Balcani e Caucaso Transeuropa

Trotz des zunehmenden Einflusses unverhüllt rassistischer Bewegungen und Parteien in ganz Europa hat die Fremdenfeindlichkeit in europäischen Städten nicht zugenommen.

Trotz des zunehmenden Einflusses unverhüllt rassistischer Bewegungen und Parteien in ganz Europa hat die Fremdenfeindlichkeit in europäischen Städten nicht zugenommen. Ganz im Gegenteil: Zwischen 2009 und 2015 hat sich die Einstellung der Bürger gegenüber Ausländern durchschnittlich verbessert. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen und auffallende Gegentendenzen (insbesondere wenn man berücksichtigt, dass ein städtisches Umfeld meist viel offener ist als andere Gebiete).

Alle drei Jahre ermittelt das Eurobarometer die Einstellung der Bewohner von rund 80 europäischen Städten. Aus der letzten Umfrage aus dem Jahr 2015 geht hervor, dass mehr als 76 Prozent der Befragten die Anwesenheit von Ausländern als grundsätzlich positiv für ihre Stadt betrachten.

Der Begriff „Ausländer“ wird im weiten Sinne benutzt, und umfasst sowohl Erasmus-Studenten als auch Flüchtlinge aus Asien oder Afrika. Die Herkunft und Verteilung der ausländischen Bevölkerung an einem bestimmten Ort spiegeln sich vermutlich in den Einstellungen der Bürger wieder. Aus diesem Grund ist es nötig, die ermittelten Fremdenfeindlichkeits-Niveaus in einem allgemeinen Kontext zu betrachten. So ist es beispielsweise möglich, dass es eine direkte Verbindung zwischen der ausgesprochen positiven Haltung der Menschen aus Cluj und der hohen Anzahl europäischer Studenten in der Stadt gibt.

Ausländerfeindlichkeit in europäischen Städten

Einstellung der Bewohner gegenüber Ausländern: Die Karte zeigt den Anteil der Befragten, die folgender Aussage zustimmten: „Die Anwesenheit von Ausländern ist für meine Stadt positiv.“ (Eurobarometer, 2015)

Die Farben zeigen die Unterschiede zwischen dem europäischen Durchschnitt und dem ermittelten Messwert in jeder einzelnen Stadt.

Die negativsten Meinungen wurden im europäischen Vergleich in Italien, der Türkei und Griechenland verzeichnet. Seit der vorherigen Umfrage hat sich insbesondere die Einstellung der italienischen und türkischen Stadtbevölkerung verschlechtert, sowie eine zunehmende Verbreitung feindseliger Gefühle gegenüber Ausländern festzustellen. 5 der 10 ausländerfeindlichsten Städte liegen in Italien.

Dagegen ist die Fremdenfeindlichkeit in Griechenland im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen. Grund hierfür ist vermutlich das sich abzeichnende Ende der Wirtschaftskrise, zumal die Situation an jene Spaniens, Irlands und Portugals erinnert.

Entwicklung des Phänomens

Die Pfeile zeigen, wie sich die Einstellung gegenüber Ausländern in 75 europäischen Städten entwickelt hat. Die Angaben wurden dem Eurobarometer 2009-2015 entnommen.

Insgesamt scheinen Mittel- und Südwesteuropa viel offener zu sein, als dies gewöhnlich dargestellt wird. Und obwohl die Feindseligkeit gegenüber Ausländern ganz besonders in Polen und der Slowakei zunimmt, befinden sich dort dennoch fünf der zehn europäischen Städte mit der niedrigsten Fremdenfeindlichkeitsrate. Darunter Cluj-Napoca, wo 95 Prozent der Bewohner angaben, die Anwesenheit von Ausländern zu schätzen. Die anderen Städte der Region sind: Burgas, Piatra Neamț oder Danzig.

Die ausländerfeindlichsten Städte Europas: Athen, Istanbul, Turin, Ankara, Rom, Bologna, Palermo, Neapel, Lüttich, Ostrau

Die ausländerfreundlichsten Städte Europas: Cluj-Napoca, Reykjavík, Kopenhagen, Piatra Neamț, Zürich, Lissabon, Vilnius, Dublin, Burgas, Danzig

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