Der Gründer von Pulse of Europe: „Man muss die Menschen ernst nehmen und dort abholen, wo sie stehen“

1. April 2017 – VoxEurop

Daniel Röder ist der Gründer von Pulse of Europe, einer Bewegung, in deren Namen sich jeden Sonntag in immer mehr europäischen Städten Bürger versammeln um ihre Verbundenheit mit Europa und ihre Ablehnung des Populismus zu zeigen.

Daniel Röder ist Rechtsanwalt in Frankfurt am Main und definiert die Bewegung Pulse of Europe als eine „überparteiliche Bürgerinitiative“. Seit Ende 2016 treffen sich jeden Sonntag mehrere Tausend pro-europäische Sympathisanten in ungefähr vierzig europäischen Städten.

VoxEurop – Wann und wie ist Ihnen die Idée für PoE gekommen?

Daniel Röder – Nach Brexit und Donald Trump, musste einfach etwas geschehen.

Was bedeutet die EU für Sie?

Das erfolgreichste Friedensbündnis in der Nachkriegszeit. Die einzige Chance, aus Europa heraus Impulse für die Lösung der globalen Probleme zu setzen.

Wie hat sich Ihre Initiative verbreitet und wie erklären Sie den Erfolg?

Die Menschen wollen mitmachen und können dies bei PoE vor Ort und ganz unmittelbar. Die Menschen fühlen sich mit ihren Ängsten um die Zukunft Europas ernst genommen und werden dort abgeholt, wo sie stehen.

Wieso sollten die Europäer sich mit einem europäischen Projekt verbunden fühlen, das mit Neoliberalismus und der Krise in der Eurozone identifiziert ist?

Weil ein europäisches Bündnis letztlich alternativlos ist und nur das reformiert werden kann, was erhalten bleibt! Es wird viel Negatives mit der EU verbunden, weil es leicht ist, Probleme dort abzuladen. Das muss sich ändern, die EU muss ganz neu vermittelt werden.

Das europäische Projekt wird heute von Parteien kritisiert, die in vielen Ländern die Hauptvertreter der "classe populaire" (der Arbeiterklasse, der niedrigeren sozialen Klassen) geworden sind. Vertritt Ihr Projekt nicht eben jene Eliten gegen diese dich diese Parteien mit immer größerem Erfolg auflehnen?

Pulse of Europe ist offen für alle, die an die Europäische Idee glauben, unabhängig von Parteibüchern, Konfession oder sozialer Herkunft. Die Sicht „unten gegen oben“ oder umgekehrt für angesichts der Herausforderungen der Zukunft überhaupt nicht weiter. Es ist auch egal, woher die Treiber kommen, Hauptsache sie kommen. Übrigens ist beispielsweise auch die AfD (Alternative für Deutschland) ein „Eliteprojekt“, dem sich keineswegs nur die die sogenannten Abgehängten anschließen. In der Diskussion wird vieles vereinfacht und so gedreht, wie man es gerne hätte.

Wie kann man dem anti-europäischen Diskurs dieser Parteien und Gruppen begegnen?

Mit viel positiver Energie und unumstößlichen Einsatz für unsere gemeinsamen Grundwerte.

Wurden Sie bereits von politischen Parteien oder Politikern kontaktiert, oder haben Sie schon daran Gedacht, PoE als politische Partei zu strukturieren? Gibt es derartige Pläne?

Es gibt keine Pläne, Pulse of Europe zu einer Partei zu machen. Wir werden immer häufiger von Parteien oder Politikern kontaktiert und zu Kooperationen etc. aufgefordert und eingeladen. Uns ist es aber wichtig, parteipolitisch unabhängig zu bleiben.

Wie stellen Sie sich die Zukunft von PoE vor?

Wir möchten nah an den Menschen bleiben, authentisch und verlässlich sein in dem, was wir tun. Wir kennen noch nicht das Format, in dem Pulse of Europe auch nach den Frankreich-Wahlen weitermachen wird. Wir spüren aber die Erwartungen der Menschen, die an uns gerichtet werden und setzen diese zu gegebener Zeit mit der nötigen Verantwortung, die an uns herangetragen wird, um.

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