Wirtschaft Landwirtschaft

Geopolitik: Rumänien: Kornkammer Europas?

8. Januar 2013
Adevărul Bukarest

Schafherde bei Râșnov. Im Hintergrund die Berge von Bucegi (150 km nördlich von Bukarest), November 2012
Schafherde bei Râșnov. Im Hintergrund die Berge von Bucegi (150 km nördlich von Bukarest), November 2012

Der Kampf um Rohstoffe wird sich 2013 noch verschärfen. Zur Deckung ihres Energiebedarfs hält sich die EU an Russland, doch eines ihrer Mitgliedsländer könnte sie mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen beliefern. Vorausgesetzt, die Rumänen nehmen ihre Chancen wahr.

Das wird kein einfaches Jahr. Der Kontext ist eine weltweite Krise, durch welche die traditionelle Kluft zwischen Nord und Süd und zwischen Ost und West noch vertieft und der Mangel an globalen Alternativlösungen offen gelegt wurde.

Das einzige, was mehr schlecht als recht funktioniert (oder zumindest eine Hoffnung auf Verbesserung gebracht) hat, sind Lösungen auf regionaler Ebene oder im Rahmen traditioneller Bündnisse, die versuchen, ihr Quentchen Macht zu retten. Das Beispiel hierfür ist die Europäische Union und ihr Kampf ums Überleben, der sich auf die Länder der Eurozone konzentriert.

Die Europäer erleiden ihr größtes existenzielles Dilemma, dessen Lösung im Laufe des Jahres 2013 auf die eine oder die andere Art einen Anfang finden wird. Die EU ist zu rund 60 Prozent von russischen Rohstoffen abhängig – ein Prozentsatz, der beträchtlich ansteigen könnte, falls ein Konflikt vorübergehend den Zugang zu den Bodenschätzen aus dem Nahen Osten blockiert.

Sie ist auch abhängig von Getreide- und Fleischimporten aus Südamerika, das als Zulieferer strategisch und immer noch kostengünstig ist, sein Verhalten aber jetzt, da sich der Mercosur als einer der Hauptakteure auf dem internationalen Markt der Macht bestätigt hat, ändern könnte.

Korn für internationalen Einfluss

Es ist wahrscheinlich, dass Europa Russland weiterhin als strategischen Partner bei der Lösung der Energieprobleme betrachtet. Vielleicht wird es auch Mittel finden, um den afrikanischen Rohstoffmarkt zu nutzen. Doch das Jahr 2013 wird von einem erbitterten Kampf um die landwirtschaftlichen Rohstoffe und die Bereitstellung von Fleisch geprägt sein.

Es kann sein, dass all dies eine Chance für Rumänien darstellt. Das Land könnte – zumindest in der Theorie – einen großen Teil der europäischen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen produzieren. Es wäre ein Fehler historischer Ausmaße, die zahlreichen Argumente, die wir in Brüssel anbringen könnten, ungenutzt zu lassen (wie wir es in den letzten fünf Jahren starrsinnig getan haben).

Diese Chancen sind in der Gemeinsamen Agrarpolitik verzeichnet. Ich plädiere nicht für ein Rumänien, das nur die Kornkammer Europas wäre, sondern für ein Rumänien, das diese Rolle für eine Hebelwirkung in der Außenpolitik zu nutzen wüsste. Doch vielleicht wollen wir das ja gar nicht, dann sind die Dinge natürlich viel einfacher. Dann bleiben wir, wie wir sind, und zahlen den Preis dafür.

Staatliche Unterstützung

Während bei uns seit über einem Jahrzehnt große Grundstücke dem Unkraut überlassen werden, während unser Land heute immer mehr auf teure Importe in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion angewiesen ist, suchen die Europäer nach Wegen, an günstige, umweltbewusste landwirtschaftliche Erzeugnisse zu kommen.

Genau das könnten wir liefern, zu einem guten Preis, und müssten dafür nur das, was wir im Moment haben, fördern können oder wollen. Zugleich müssten wir in ein nationales System von Kleinbetrieben investieren, das von einer nationalen, landwirtschaftlichen Kreditbank unterstützt würde.

In diesem Bereich wird einer der erbarmungslosesten Kämpfe des Jahres 2013 ausgefochten werden und – der Gipfel! – wir hätten durchaus Chancen, zu den Siegern zu gehören: Das andere große Landwirtschaftsbecken, die Ukraine, leidet unter schweren politischen Problemen und hätte nicht, wie wir, den Vorteil, zur EU zu gehören. (pl-m)

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