Italien: Knox ein Opfer der "bella figura"?

10. Dezember 2009
Presseurop
The Guardian

, 1. Januar 1970

Schuldig im Sinne der Anklage? Über die Strafsache gegen die amerikanische Studentin Amanda Knox, die des Mordes an ihrer englischen Mitbewohnerin Meredith Kercher in der italienischen Stadt Perugia schuldig gesprochen wurde, ist man in den betroffenen Ländern geteilter Meinung. Der US-amerikanische Krimiautor Douglas Preston erklärte dem Guardian gegenüber, dass für ihn keine Zweifel daran bestehen, dass sie das jüngste Opfer des umstrittenen Staatsanwaltes Giuliano Mignini ist. Schon einmal wurde wegen Missbrauchs gegen ihn ermittelt, als er die Verhandlungen gegen einen florentinischen Serienkiller in den 80er Jahren leitete. Nun hatte man eilig erklärt, dass Knox und ihr Freund die Mörder gewesen sind. Danach tauchten aber Beweise auf, die auf eine andere Sachlage hinwiesen. "Plötzlich sah es so aus als hätten die Behörden einen gewaltigen Fehler gemacht", schreibt Preston im Guardian. Aber Mignini beharrte. Wie Preston laut Insiderinformationen berichtet, hat "dieses Urteil nichts mit den aktuellen Beweisen zu tun. […] Mit diesem Schuldspruch wurde nur 'das Gesicht gewahrt'".

Um die amerikanische Öffentlichkeit milde zu stimmen wird Knox vermutlich nach einem Berufungsprozess freigesprochen werden. Jedoch wird sie bis dahin zwei weitere Jahre im Gefängnis verbringen müssen. "Aber ist dies nicht wirklich wichtig, wenn man es einmal mit der Karriere von so vielen wichtigen Persönlichkeiten vergleicht", schreibt Preston. In der Zwischenzeit ist man in Italien über die US-amerikanische und britische Berichterstattung über die Strafsache empört. Dortzulande wertet man diese als Einmischung und Respektlosigkeit gegenüber den italienischen Institutionen. Wie La Repubblica berichtet, zählen für den Journalisten Alexander Stille hier vor allem "Landeszugehörigkeit und die Standpunkte einzelner". Die Engländer wollen einen Sündenbock für den Mord an ihrer Landsmännin. Amanda Know, die man als "männerfressende und drogenmissbrauchende Teufelin" darstellt ist in diesem Sinne "perfekt für die Berichterstattung der Regenbogenpresse". Auf der anderen Seite stehen die US-Amerikaner mit der puppenhaften Amanda: Eine unschuldige Amerikanerin im verdorbenen Alten Europa, mit der "sich jeder leicht identifizieren kann". Stille vertritt die Meinung, dass die Gefühlswelle für sie allerdings nicht so riesig sein würde, wenn die Beweise an ihrem Mord ausreichend wären. "In den USA muss die Schuld 'ohne begründeten Zweifel' bewiesen werden. In diesem Fall gibt es ziemlich viele Zweifel. Auf die Gerechtigkeit der italienischen Justiz würde ich nicht einmal 100 Euros wetten."