Diplomatie: Großbritannien und Argentinien uneinig über Falkland-Inseln

12. März 2013 – Presseurop The Daily Telegraph, The Guardian, Clarín

In einer Volksabstimmung über den Status der Falkland-Inseln (Las Malvinas auf Spanisch) haben sich 99,8 Prozent der 2.9000 Einwohner der Inselgruppe im Südatlantik dafür ausgebrochen, ein britischer Überseebesitz zu bleiben und nicht Teil von Argentinien zu werden.

Die kleine Inselghruppe rund 310 Meilen vor der südöstlichen Küste Argentiniens wird von beiden Nationen beansprucht und führte 1982 zum Ausbruch des Falklandkriegs.

In jüngster Zeit drängt Argentinien wieder verstärkt darauf, dass Großbritannien auf das Territorium verzichtet, das es seit mehr als 150 Jahren beherrscht. Neil Tweedie Feature-Autor für den Daily Telegraph schreibt dazu:

Der Ausgang der Befragung bestätigte David Camerons Haltung, der das Referendum als Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts der Inselbewohner unterstützte, und verwies Cristina Fernandez de Kirchner, die argentinische Präsidentin, in ihre Schranken. Sie hält die Volksbefragung für das irrelevante Ergebnis einer ‚implantierten Bevölkerung‘. [...] Sie beutet das Thema aus, um ihre Mitbürger von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihres Landes abzulenken, zu denen die weltweit höchsten Inflationsraten zählen, aber diese Politik scheint fehlgeschlagen zu haben.

Der Medien-Kolumnist Roy Greenslade von The Guardian schrieb vor Bekanntwerden der Ergebnisse, das Referendum wäre „nichts anderes als eine manipulierte Wahl“.

Argentinien hat sicher Recht, die Volksabstimmung lediglich für einen bedeutungslosen Werbetrick zu halten (auch wenn man mit dem Anspruch Argentiniens auf die Inselgruppe nicht einverstanden ist). Die ganze Welt wird diese Haltung einnehmen, auch die Vereinigten Staaten. [...] Vielleicht besteht Argentiniens einzige Chance darin, 1.700 seiner Staatsangehörigen dazu zu überreden, auf die Falkland-Inseln zu ziehen, in der Hoffnung, dass Großbritannien in sieben Jahren erneut ein Referendum durchführt.

In Argentinien bemerkt die Tageszeitung Clarín aus Buenos Aires, dass sich der internationale Rahmen „dreißig Jahre nach dem Krieg“ geändert habe:

Heute ist der Konflikt nicht mehr bilateral, sondern regional. […] Es ist ein dritter Akteur aufgetreten, der Streit beschränkt sich nicht mehr auf Buenos Aires und London. Dieser dritte Akteur ist die Bevölkerung der Inselgruppe, die sich Großbritannien gegenüber unabhängig verhält. Ihre Autonomie beruht auf ihrer eigenen politischen Autorität.

Das argentinische Blatt La Nación vertritt eine ähnliche Meinung :

Knapp 60% der Wähler haben ihre Identität bestimmt und sich als Bewohner der Falkland-Inseln ausgegeben. Ob sie sich nun irren oder nicht, sie glauben, dass sie alle wesentlichen Fragen, vor allem jene, die das Leben der Gemeinschaft betreffen, selbst bestimmen. Und sie glauben, dass sie am besten einen Dritten mit der Außenpolitik und der Verteidigung beauftragen. Sie leben lieber in diesem Irrtum.