Russland: Die Destabilisierung der Ukraine

6. September 2014 – VoxEurop Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, The Economist

Berthold Kohler schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), dass der russische Präsident Vladimir Putin „kein Interesse an der Befriedung und Stabilisierung der Ukraine” hat und argumentiert, Putin möchte einen “Failed State” schaffen, als “Pufferzone zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Putins Ziel ist nicht die Stabilisierung des Nachbarstaats, sondern dessen Destabilisierung. Er will damit die von ihm befürchtete Hinwendung der Ukraine zum Westen verhindern. Denn ein Land mit solchen „Problemen“ kommt weder für die EU noch für die Nato als Mitglied in Frage. […] Es ist offensichtlich, dass der geostrategisch denkende Kreml dabei auch eine Landverbindung zur Krim im Auge hat. […] [Diese hängt] noch an den Versorgungsleitungen aus der Ukraine. Putin aber will, dass Kiew von russischen Lieferungen abhängig ist und nicht Moskau von ukrainischen.

Die britische Wochenzeitung The Economist bemerkt, dass sich – trotz der Intensivierung der Einfälle im Osten der Ukraine – Putins Fokus in Richtung Wirtschaft verlagert hat.

In Minsk [wo er bei einem Gipfel den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko getroffen hat] erklang von Putin keine der nationalistischen Noten, die die Annektierung der Krim begleitet hatten. In Gegenzug ging es vielmehr um wirtschaftliche Themen, was eventuell auf einen Gaskrieg hindeutet. Im Hinblick auf die fallenden Temperaturen glaubt Putin, die Zeit auf seiner Seite zu haben. Die Ukraine benötigt 5 Milliarden Kubikmeter Gas, um durch den Winter zu kommen.

The Economist schreibt, dass der Verlust der Krim und die Krise im Osten der Ukraine die ukrainische Wirtschaft „in Fetzen“ gerissen hat. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass das ukrainische BIP dieses Jahr um 6,5% zurückgehen wird. Die Landeswährung Hryvnia ist gegenüber dem Dollar bereits um 60% gefallen. Die Wochenzeitung hebt auch die Wichtigkeit der Krisenregion Donbas hervor, die „für 16% des BIP und 27% der industriellen Produktion“ verantwortlich ist.

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